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Mini-Adler haben Spaß im Team

| Allgemein (Sportjugend)

Endlich wieder rennen, sich bewegen. Werfen und springen. Schon bevor das Training der U10 und U12 beim LC Adler Bottrop richtig begonnen hat, wuseln die kleinen Leichtathleten voller Tatendrang um ihre Trainer herum. Fast 50 Kinder tummeln sich an diesem Nachmittag, betreut von vier Übungsleitern im Jahnstadion. „Wir können bei uns wirklich keinen Mitgliederschwund feststellen“, sagt Dirk Lewald, 2. Vorsitzender des Vereins. Wohlwissend, dass sein Club damit gegen den Trend läuft.

Fast 5.000 Kinder weniger
Denn vielerorts ist die Leichtathletik bei Kindern und Jugendlichen nicht mehr angesagt. So ging die bundesweite Zahl der 7- bis 14-jährigen Leichtathleten in den letzten Jahren um mehr als 30.000 zurück. Die beiden NRW-Verbände Nordrhein und Westfalen bestätigen den rückläufigen Trend. „Wir haben bei den 7- bis 14-Jährigen einen Rückgang von fast 5000 Kindern zu verzeichnen“, sagt Hans-Joachim Scheer, Geschäftsführer des Leichtathletikverbandes Nordrhein (LVN). Die Veränderungen im Kinder- und Jugendsport machen sich also auch in den Kernsportarten bemerkbar.

Erfolgreiche Kinderleichtathletik
Doch die Leichtathletik bewegt sich. Ein Rettungsanker könnte die sogenannte Kinderleichtathletik sein, die der LC Adler Bottrop „mit Leib und Seele“ und großem Erfolg umsetzt. Kernpunkte des Konzepts bis zur U12 sind: Teamgeist statt Einzelkämpfer. Spaß statt reinem Weiten- und Rekordhunger. Dazu vielfältige Bewegungserfahrungen und neue Wettkampfformen. So hat beispielsweise der „Stadioncrosslauf“ den stupiden 800-Meter-Lauf auf der Bahn abgelöst. „Dabei laufen die Kinder teilweise aus dem Stadion heraus über Treppen, Gras und Tartan und merken gar nicht, dass sie die lange Strecke gelaufen sind“, sagt Adler-Trainer Lewald.

Auch mal über Bananenkisten
Und er sieht noch weitere Vorteile. Denn die einzelnen „spielerischen“ Komponenten bereiten die kleinen Athleten kindgerecht auf die späteren herkömmlichen Wettkämpfe vor. Etwa bei der Hindernisstaffel - anfangs gerne auch über Bananenkisten. Sie vermittelt erste Grundlagen für den Hürdensprint in Training und Wettkampf. „Bei uns funktioniert das Konzept sehr gut. Die Kinder haben Spaß und bleiben bei der Stange“, sagt Lewald. Einige der so trainierten Schützlinge sind inzwischen aus der Kinderleichtathletik heraus- und zu Kaderathleten herangewachsen.

Das Team zählt!
Bei den Wettkämpfen in der Kinderleichtathletik werden pro Team sechs bis elf „Miniathleten“ gemeldet. Die besten sechs Leistungen je Disziplin und Mannschaft werden gewertet, ohne dass die Kinder ihre eigene Leistung erfahren. Das Team zählt. „Das ist gerade für schwächere Kinder sehr motivierend“, sagt LVN-Geschäftsführer Scheer. Er war selbst an der Entwicklung des Konzepts beteiligt. Seit Anfang 2013 gilt es verbindlich im DLV. Eigentlich. Denn in einigen Teilverbänden kommt die Kinderleichtathletik nicht so gut an.

„Der Ganztag gräbt uns die Mitglieder ab“
Dazu gehört auch der Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen (FLVW). „Grundsätzlich befürworten wir das Konzept“, sagt Christian Breitbach, Fachkraft für Jugendarbeit des FLVW. Allerdings tut sich bei uns die Basis noch schwer mit der neuen Kinderleichtathletik. Teilweise liegt es an den Trainern, die sich mit dem Konzept nicht anfreunden können. „Manchen Vereinen fällt es aber auch schwer, so viele Kinder für eine Mannschaft zusammen zu stellen“, sagt Breitbach. Handlungsbedarf sieht er aber auch. Denn: „Der Ganztagsbereich, G8 aber auch die Trendsportarten graben uns die Mitglieder ab.“

Die Lösung: Kooperation mit Schule
Für Bottrop gilt das nicht. Dank der Kinderleichtathletik hat man die Grundschulen als wichtige Partner und Multiplikatoren für das Konzept gewonnen. „Wir haben die Kinderleichtathletik beim Grundschulsportfest vorgestellt. Die Schulen waren begeistert“, sagt Simone Lewald. Inzwischen leitet sie an acht Schulen in der Stadt entsprechende Kurse und bildet Lehrer fort. Über die Schule ist auch der 10-jährige Joel beim LC-Adler gelandet. „Mir hat das im Unterricht so viel Spaß gemacht, da wollte ich das hier im Verein auch mal ausprobieren“, sagt er. Dann schnappt er sich einen Fahrradmantel und wirft ihn mit einer Schleuderbewegung über den Rasen. Er ist zum Training hier, nicht zum Quatschen.

Informationen zur Kinderleichtathletik gibt es auf www.leichtathletik.de/Jugend
Aber auch der LC Adler Bottrop gibt seine Erfahrungen gerne weiter. Ansprechpartner ist Dirk Lewald: dirk.lewald@lvn-sport.de


Redaktion: Ulrich Beckmann

Der gesamte Artikel von Jürgen Bröker erscheint in der November-Ausgabe der „Wir im Sport“.

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