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Schnuppern leicht gemacht!


Sportjugend Ratingen mit neuer Online-Plattform

„Finde kostenlose Schnupperkurse in deiner Stadt“. So die Überschrift auf der Startseite der neuen Online-Plattform „schnupperkurs.de“ der Sportjugend Ratingen. Auf der von der Sportjugend NRW unterstützten Internet-Seite können sich Sportsuchende bequem und kinderleicht zu einem Probetraining bei Sportvereinen anmelden. Wie das funktioniert und welche Vorteile auch die Sportvereine in NRW davon haben, erfuhr die LSB-Redaktion in einem Gespräch mit Timo Büssemaker (TB). Der 26-jährige BWL-Student mit dem Schwerpunkt „Online Marketing“ ist „Vorstand für Digitales“ bei der Sportjugend im Stadtsportverband Ratingen.

Timo, wie und durch wen ist „schnupperkurs.de“ entstanden?
TB: Mir war aufgefallen, dass es überall im Online-Marketing immer darum geht, den Nutzer dazu zu bewegen, eine gewisse Aktion durchzuführen. Ich habe dann festgestellt, dass viele Sportvereine auf ihren Seiten gar nicht dazu aufrufen, mal zum Schnupperkurs oder zum Probetraining vorbeizukommen. Sie haben das Angebot eben nicht so präsentiert und kommuniziert. Diese Schnittstelle zwischen einem Interessierten und dem Angebot des Sportvereins habe ich quasi gefunden und zusammen mit der Sportjugend Ratingen überlegt, wie man das konzeptionell umsetzen und für die Sportförderung nutzen kann.

Welche grundlegenden Ziele verfolgt die Plattform?
TB: Auf der einen Seite ist ein Probetraining bzw. Schnupperkurs die Schnittstelle zwischen einem neuen Mitglied und einem Sportverein. Mit schnupperkurs.de wollen wir das Internet nutzen, um im Rahmen der Digitalisierung des organisierten Sports neue Mitglieder zu gewinnen. Auf der anderen Seite hilft die Plattform allen, die schnell und unkompliziert ein Sportangebot im Verein suchen. Sie können sich zu einem Schnuppertermin direkt online anmelden. Dem Sportsuchenden nimmt die Plattform erhebliche Hürden, denn oftmals ist die Geschäftsstelle eines Vereins nicht besetzt und man muss lange auf Rückmeldung warten. Mit der Online-Plattform geht das jetzt innerhalb weniger Minuten und völlig frustfrei.

Welche Zielgruppen soll „schnupperkurs.de“ ansprechen?
TB: Wir fokussieren uns eigentlich auf den Breitensport, auf Leute, die auf der Suche sind nach neuen Sportarten und diese ausprobieren möchten. Auch Eltern nutzen sehr häufig die Plattform, weil bei Kindern die Fluktuation ja relativ hoch ist und ihnen dabei geholfen wird, ihr Kind mehrmals bei einer anderen Sportart anzumelden. Aber grundsätzlich ist schnupperkurs.de für jeden gedacht, der sich für Sport interessiert.

In welchen Städten kann man schon suchen und was sagen die Vereine?
TB: In Ratingen und weiteren sechs umliegenden Städten haben wir das Projekt bereits mit sehr viel Erfolg umgesetzt. Die Vereine sind begeistert. Sie freuen sich darüber, dass es nun endlich eine digitale Plattform gibt, die wirklich dabei hilft, neue Mitglieder zu gewinnen.

Wie können sich die Sportvereine in NRW an dieser Plattform beteiligen?
TB: Um eigene Schnupperkurse anzubieten, müssen sich die Vereine auf unserer Seite lediglich kostenlos registrieren. Nach erfolgreicher Registrierung, die nicht länger als eine halbe Minute dauert, gelangt man sofort in ein kostenloses Benutzerkonto und kann erste Schnupperkurse für den Verein anlegen. Damit präsentieren sie auf der Plattform ihre jeweiligen Sportangebote und stellen die Termine zur Verfügung, in die kostenlos hineingeschnuppert werden kann.

Habt ihr Rückmeldungen von Vereinen, dass durch „schnupperkurs.de“ neue Mitglieder gewonnen wurden?
TB: Wir haben schon ein überwältigendes Feedback. Der TV Ratingen zum Beispiel konnte durch die Plattform schon über 100 Anmeldungen verzeichnen. Oder der TuS Hilden, der erst ein paar Monate dabei ist, hat auch schon über 40 Anmeldungen erhalten. Vor allem Sportarten mit weniger Zulauf wie Baseball oder Floorball finden durch die Plattform eine Bühne. Statistisch gesehen bleibt jeder zweite, der sich über schnupperkurs.de anmeldet, als Mitglied bei einem Verein.

Ist es nicht etwas ungewöhnlich, dass eine Sportjugend diese Mitgliederwerbung übernommen hat?
TB: Ja, schon, aber weil ich die Idee in die Sportjugend reingebracht habe, alle Feuer und Flamme waren und auch der Vorstand vom Stadtsportverband sofort begeistert davon war, hat er uns finanziell unterstützt. Wir als Sportjugend machen das, weil es Spaß macht und unsere Zielgruppe Kinder und Jugendliche sind. Aber wir haben auch gesagt: das Internet und Digitalisierung im Sport sind junge Themen. Und dann haben wir das Thema sozusagen umgedreht und wollten es auch den Älteren näherbringen. Jedenfalls ist es schön zu sehen, dass jede Zielgruppe irgendwie diese Plattform nutzen kann.

Wer unterstützt euer Projekt noch?
TB: Leider ist es noch nicht gelungen für so ein digitales Sport-Pilot-Projekt, das viele Probleme löst, einen entsprechenden „Fördertopf“ aufzutun - obwohl beispielsweise bei der Sportjugend NRW das gesamte Jahr 2017 unter dem Thema „Digitalisierung im Sport“ steht.


Das Gespräch führte Ulrich Beckmann
Fotos: Sportjugend Ratingen