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Sind Eltern gebildet, treiben Kinder mehr Sport!

26.04.2017


Studie untersuchte, wieviel Sport Jugendliche machen

Die Studie kommt zu einem erschreckenden Ergebnis: Über die Hälfte der 12- bis 16-Jährigen aus Elternhäusern ohne Berufsabschluss treiben keinen Sport. Aus Elternhäusern mit Hochschulabschluss trifft dies nur auf rund ein Drittel der Jugendlichen zu.

Das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln (IW) hat untersucht, wieviel Sport Jugendliche pro Woche machen. Und zwar differenziert nach unterschiedlichen Bildungsschichten. „Fragt man junge Erwachsene, ob sie in ihrer Jugend Sport getrieben haben, sagen rund 75% ja. Und das unabhängig vom Bildungshintergrund der Eltern. Betrachtet man hingegen, wie viel Zeit Jugendliche mit sportlichen Aktivitäten verbringen, zeigen sich deutlich niedrigere Werte bei Befragten aus bildungsferneren Elternhäusern“, sagt Dr. Wido Geis vom IW in der Studie.

Sport kann die Zukunftsaussichten von Jugendlichen deutlich verbessern
Stattdessen verbringen Jugendliche aus bildungsferneren Elternhäusern ihre Zeit vor allem mit „Chillen“ oder „Abhängen“, also fernsehen, Musik hören, Computer spielen oder nichts tun. Zeit für mehr sportliche Aktivitäten wäre also vorhanden. Und zahlreiche Studien belegen, dass Bewegung, Spiel und Sport für eine gute Entwicklung von Kindern und Jugendlichen sehr wichtig sind. Sie verbessern nicht nur die körperliche Fitness und wirken sich positiv auf die Gesundheit im Erwachsenenalter aus, sondern steigern auch unmittelbar das Selbstwertgefühl und wirken emotional stabilisierend. Da Selbstwertgefühl und emotionale Stabilität für den Erfolg im Bildungssystem und am Arbeitsmarkt von Bedeutung sein können, hat Sport selbst hier einen positiven Einfluss. Insgesamt sagt die IW-Studie, dass Sport die Zukunftsaussichten von Jugendlichen deutlich verbessern kann.

Auch für weniger sportliche Schüler/innen
Dazu können auch Ganztagsschulen beitragen. Allerdings muss die Mischung Konzeption von verpflichtendem Sportunterricht und freiwilligen Bewegungs-, Spiel und Sportangeboten stimmen, so die IW-Studie weiter. Zunächst ist es wichtig, dass Ganztagsschulen in ausreichendem Maße sportliche und Bewegungsaktivitäten anbieten. Dies kann eine große Herausforderung darstellen, wenn ein Engpass an Sportstätten oder geeignetem Personal besteht. Dann sollten die freiwilligen Aktivitäten so gestaltet werden, dass sie auch weniger sportliche Schüler ansprechen, da gerade diese sich in ihrer Freizeit ansonsten zu wenig bewegen.

Grundlagen für eine aktive Lebensweise
Insgesamt sollte der Schulsport die Grundlagen für eine aktive Lebensweise auch nach der Schule legen. Dafür sollte er insbesondere sportliche Grundkompetenzen vermitteln wie etwa Schwimmen können oder der Umgang mit Sportmaterialien. Auch sollte die Schule jungen Menschen nahebringen, warum sportliche Aktivitäten wichtig sind, und den Pflichtsport vorwiegend als Gesundheitssport gestalten. Stark leistungs- und wettkampforientierter Sport sollte den Vereinen und speziellen AGs überlassen bleiben, da dieser für schwächere Schüler demotivierend wirken kann.

Zahlen im Überblick
Von den befragten jungen Menschen im Jahr 2015 sind jede Woche ihren eigenen Angaben zufolge sportlich aktiv:
  • 81 Prozent derjenigen mit Eltern mit Hochschulabschluss
  • 59 Prozent derjenigen mit Eltern mit beruflichem Abschluss
  • 57 Prozent derjenigen mit Eltern ohne Abschluss.
Hingegen machen nie Sport:
  •  7 Prozent der jungen Menschen mit Eltern mit Hochschulabschluss
  • 19 Prozent derjenigen mit Eltern ohne Abschluss
  • 19 Prozent derjenigen mit Eltern mit beruflichem Abschluss.


Fotos: Andrea Bowinkelmann