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Spaß im Camp - Kampf auf der Matte


Foto: Siegerehrung mit Alexandra Radu (mit der rumänischen Flagge), dem Landestrainer des Nordrhein-Westfälischen Judoverbandes Eduard Matijass (links) und dem Vorsitzenden der Sportjugend NRW, Jens Wortmann (rechts).

Judoka Alexandra bei den Ruhr Games

Die Ruhr Games, das Festival mit Sport, Musik und dem Internationalen Jugendcamp sind schon einige Wochen her. Berichtet wurde über die rund 50.000 Besucher, die insgesamt 5600 jugendlichen Sportlerinnen und Sportler und über die Medaillengewinner der mehr als 50 Disziplinen. Eine davon war Alexandra Radu aus Rumänien.

Es ist 9.30 Uhr am Freitagmorgen, die Turnhalle der Friedensschule in Hamm füllt sich. Knapp 150 aufgeregte Athleten, ihre Trainer und Familien warten auf den Beginn der Judo-Wettkämpfe der Ruhr Games 2017 in Hamm. Darunter ist auch Alexandra Andreea Radu. Anders als die meisten Kämpferinnen und Kämpfer, die aus den umliegenden Städten des Ruhrgebiets anreisten, hat sie jedoch einen etwas weiteren Anreiseweg hinter sich. Alexandra kommt aus Bakau in Rumänien. 25 Stunden hat sie und ihre Mannschaft mit dem Bus gebraucht, um Hamm zu erreichen.

Spaß und Wettkampf
Nach Nordrhein-Westfalen ist sie jedoch nicht nur für die Judo-Wettkämpfe gekommen. Die Rumänische Mannschaft nimmt gemeinsam an dem Jugendcamp der Sportjugend NRW teil. Gemeinsam mit 600 anderen Jugendlichen aus 15 Nationen campieren sie auf dem Gelände rund um das Jahnstadion in Hamm. Das heißt auch volles Programm: Politische Workshops, verschiedene Sportangebote, Abendshows und kultureller Austausch. Für die Kinder und Jugendlichen ein einmaliges Erlebnis, für den rumänischen Trainer Palatul Copiilor aber auch eine große Herausforderung. „Die ganze Woche stand der Spaß im Vordergrund, Schlaf war dabei eher Nebensache. Jetzt die Kämpfer wieder auf den Wettkampf zu fokussieren ist eine schwere Aufgabe für mich als Trainer.“

Anfeuern und mitfiebern
Von Nervosität merkt man der jungen Gruppe aus Rumänien jedoch kaum etwas. Den Gang über die Waage haben sie schon am Vortag gemeistert, so dass sie sich am Morgen selbst ganz auf das Aufwärmen und den anstehenden Wettkampf vorbereiten konnten. Während Alexandra auf den Beginn ihrer eigenen Gewichtsklasse wartet, unterstützt sie ihre Vereinskollegen. Überall hört man lautes Anfeuern. Man sieht Judo-Kämpfer die sich gemeinsam warm machen und die zwischen den eigenen Kämpfen am Mattenrand der Mannschaftskollegen mitfiebern.

Auf der Judomatte ist jeder gleich
Da die Ansprachen auf Deutsch stattfinden gilt es für die Judogruppe aus Bakau besonders aufmerksam zu sein, um ihre eigenen Kämpfe ja nicht zu verpassen. Gegen 11.30 Uhr ist Andrea endlich an der Reihe. Sie ist eine von acht Kämpferinnen unter 18 Jahren in der Gewichtsklasse bis 44 Kilogramm. Sobald sie die Judomatte betritt ist die Sprache jedoch kein Hindernis mehr. Die Leidenschaft für den Sport und der Kampfwille verbindet alle jungen Athletinnen und ist sprachübergreifend. Auf der Judomatte ist jeder gleich.

Starker Auftritt: dritter Platz
Alexandra beißt sich durch. Trotz der Strapazen der Anreise, den aufregenden Tagen im Camp, dem Schlafmangel und Trainingsrückständen. Bis ins Halbfinale kämpft sie sich vor, bevor sie ihre erste Niederlage einstecken muss. In einem Duell auf Augenhöhe hat sie durch eine Unaufmerksamkeit im Bodenkampf das Nachsehen. Ausgerechnet gegen eine ihre starke Konkurrentin aus NRW. Doch von der Niederlage lässt sich Alexandra nicht unterkriegen. Fokussiert tritt sie das kleine Finale an und sichert sich mit einem starken Auftritt den dritten Platz und die damit verbundene Bronze-Medaille.

Neue Kontakte geknüpft und Freunde gefunden
Die Siegerehrung der Judoka findet im Anschluss an die Wettkämpfe im Jahnstation statt, direkt neben dem Jugendcamp. Stolz steht Alexandra auf dem Siegerpodest. In den Händen hält sie dabei die rumänische Flagge. Auch viele Teilnehmer des Jugendcamps sind vorbeigekommen um zu gratulieren. Egal welche Nationalität oder Religion die jugendlichen Camper auch haben, innerhalb einer Woche sind sie zu einer Gemeinschaft geworden. Das sieht auch Andreas Trainer so: „Die Judowettkämpfe waren ein tolles Highlight zum Schluss, ich bin stolz auf meine Kämpfer! Für die Kinder und Jugendlichen war aber das Camp etwas ganz Besonderes. Wenn dieses nächste Jahr wieder stattfinden sollte, dann möchten wir unbedingt wieder eingeladen werden. Wir haben so viele neue Kontakte geknüpft und Freunde gefunden, dafür sind wir unendlich dankbar!“

Text und Fotos: Annika Hof zum Berge und Lea Vogell