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Viel mehr als Spiel, Satz und Sieg

24.03.2017


Selbsterfahrung und Persönlichkeitsentwicklung im Sportverein

Sportvereine fördern Bewegung und Talente. Aber sie bieten auch Schutz und ermöglichen Bildung. Darüber hinaus tragen Sportvereine zu Sozialisation und demokratischem Verständnis bei.

Treffender kann ein Titel nicht lauten: „Sport vereint – BWO bewegt“. Gewählt hat ihn der SC Blau Weiß Ottmarsbocholt (BWO), der Sportverein des gleichnamigen schmucken Stadtteils der Gemeinde Senden im Kreis Coesfeld. 3.400 Menschen wohnen hier. Ein Drittel gehört dem Club an, der wie kein zweiter das Ortsleben prägt.

Bewegung und gesellschaftliches Engagement
Mitglied 1.111 konnte der Verein erst kürzlich begrüßen: Marlene – drei Jahre. Es ist halt gute Tradition, Kinder - und seien sie noch so jung - beim BWO anzumelden. Hier wissen Eltern sie gut aufgehoben, betreut und begleitet. Denn nicht nur die fünffache Mutter und erste Vorsitzende des Vereins Gabi Schepmann lebt die Devise: „Der BWO bietet Kindern und Jugendlichen einen Schutzraum, begeistert für Sport und Bewegung und fördert die Bereitschaft für eigenes gesellschaftliches und soziales Engagement.“

Doppelrolle
Der große Club aus kleinem Ort zeigt, wie man der Herausforderung, die sich die Sportjugend im Landessportbund NRW auf die Fahnen geschrieben hat, gerecht werden kann. Er möchte, dass möglichst viele Vereine im Lande der Doppelrolle zwischen Sportverband auf der einen sowie Kinder- und Jugendverband auf der anderen Seite gerecht werden. Zahlreiche Qualifizierungsmaßnahmen des LSB, aber auch der Kreis- und Stadtsportbünde tragen dazu bei, das dafür erforderliche Bewusstsein bei Mitarbeiter/innen im Sportverein zu schärfen.

Chance, sich einzubringen
Jens Wortmann ist Vorsitzender der Sportjugend NRW und zugleich Vertreter der Sportjugend im KreisSportBund Coesfeld. Er ist überzeugt: „Die Vereine in Coesfeld mit ihren rund 34.000 Kindern und Jugendlichen, aber auch in ganz NRW sind sich dieser Verantwortung bewusst, wenn auch auf unterschiedlichem Niveau. Wichtig ist, dass sie die Chance erhalten, sich selbst einzubringen“.

Natürlich über Partizipation nachdenken
Dass dies nicht immer gelingt, sagt auch Uli Fischer, Vorsitzender im Vorstand und Fachkraft für die Jugendarbeit im KreisSportBund Steinfurt: „Die Vereine leisten einen hohen Organisationsaufwand für den Sport- und Wettkampfbetrieb. Da hat nicht jeder noch den Kopf frei, um beispielsweise über Partizipation nachzudenken“.

Kinderschutz im Sport und in der Jugendarbeit
Der Einschätzung schließt sich der Jugendreferent im SSB Bielefeld, Dirk Lemhöfer, an: „Sportliche und außersportliche Kinder- und Jugendarbeit kann man nicht voneinander trennen. Im Verein können Werte vermittelt und gelebt werden, Integration kann gelingen“. Und er betont einen besonders aktuellen Aspekt – den Kinderschutz. Lemhöfer hält es ebenso wie seine Kollegen aus Coesfeld und Steinfurt für selbstverständlich, dass dieses Kinderrecht nicht nur geachtet, sondern sowohl im Sportbetrieb, aber auch in der Jugendarbeit gelebt wird.

Kinder gut auf gehoben im Sportverein
Für Gabi Schepmann ein ganz sensibles Thema. Eine Frage von Grenzen. „Wie gehe ich mit den Kindern um? Was darf ich als Übungsleiter/in? Darf ich als Trainer mit den Kindern in die Umkleidekabine gehen?“, grübelt sie. Eines weiß sie sicher: „Schweigen schützt die Falschen“. Will heißen – sie erwartet von sich und ihren Übungsleiterinnen und -leitern, einzuschreiten, Dinge anzusprechen, wenn Grenzüberschreitungen drohen. Im Training wie während der Freizeit. Damit sich Eltern wie jene von Marlene sicher sein können: In den Vereinen Nordrhein-Westfalens sind Kinder gut aufgehoben.


Den vollständigen Artikel „Viel mehr als Spiel, Satz und Sieg“ von Stephan Lüke lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der »Wir im Sport.

Fotos: Andrea Bowinkelmann