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Schwimmen lernen in zehn Tagen

| Allgemein (Sportjugend)

Förderprogramm „NRW kann schwimmen“ in Moers

Weil die Bäder während der Corona-Pandemie vorübergehend geschlossen waren, haben viele Kinder nicht sicher schwimmen gelernt. Ein Ferienkursus, ermöglicht durch das Förderprogramm „NRW kann schwimmen“, schafft Abhilfe.

Acht Kinder tummeln sich am Dienstagmorgen um 10 Uhr im Lehrschwimmbecken des Enni -Sportparks Rheinkamp. Der absenkbare Boden wurde auf 1,20 Meter eingestellt, so dass die Viertklässler noch ein sicheres Gefühl im ungewohnten Element Wasser haben können. Es ist bereits die zweite von drei Gruppen, die Vera Weyers und Monika Huf an diesem Vormittag unterrichten. Spielerisch und mit viel Spaß geht es im Becken zu. Mit dem Schwimmbrett vor sich durchqueren die Kinder das Becken und strampeln dabei mit den Beinen, dass es nur so spritzt. In der nächsten Runde wird die Schwimmnudel zu Hilfe genommen. Beim Tauchen durch einen Reifen müssen manche noch ermutigt werden, andere tauchen schon hinunter, als sei es ein Leichtes.

Am Ende des Kurses das Seepferdchen-Abzeichen
„Es ist schon erstaunlich“, erzählt Monika Huf. „Gestern, am ersten Kurstag, gab es noch Tränen und große Angst, und heute sind schon alle mit viel Freude dabei. Morgen können wir die Hilfsmittel schon weglegen. Ich bin zuversichtlich, dass die meisten am Ende des Kurses das Seepferdchen-Abzeichen schaffen werden: vom Beckenrand springen, das Schwimmerbecken durchqueren und nach einem Ring tauchen.“

Stadt, Stadtsportverband, Schwimmverein und Bad
Die 68-Jährige ist die erfahrenste Schwimmlehrerin in Moers, seit 37 Jahren trainiert sie als Übungsleiterin der Freien Schwimmer Rheinkamp Anfänger. Der Ferienkursus, an dem insgesamt 36 Kinder an zehn Tagen teilnehmen, ist allerdings etwas Besonderes. Ermöglicht wurde er durch das Förderprogramm „NRW kann schwimmen“. Olaf Finke vom Fachbereich Schule und Sport der Stadt Moers hat das Ganze organisiert, und das aufgrund der Corona-Unsicherheiten erst zwei Wochen vor den Sommerferien. Kooperationspartner sind der Stadtsportverband und die Enni. Bereichsleiter Benjamin Beckerle freut sich über die große Resonanz.

Werbung über die Schulen
Durch die Ansprache über die Schulen würden auch Familien erreicht, die sich nicht unbedingt an Vereine oder Schwimmschulen wenden, sagt er. „Wir haben alle Grundschulen angeschrieben und die Lehrerinnen gebeten, gezielt die Kinder anzusprechen, die bisher noch keinen erfolgreichen Schwimmunterricht hatten“, so Finke. „Es gab viel mehr Meldungen als wir annehmen konnten. Ein Folgeprogramm für die Herbstferien haben wir deshalb bereits in den Blick genommen“.

Wegen Corona kein Schwimmen lernen
Gerade aufgrund der langen Schließung durch Corona hätten viele Kinder nicht sicher schwimmen gelernt. Im Übergang auf weiterführende Schulen werde dies aber gerne gesehen. Deshalb wurde das Angebot des „Crash-Kurses“ in diesem Jahr besonders rege angenommen. Nur 10 Euro müssen die Eltern für den zweiwöchigen Kursus bezahlen, als Aufwandsentschädigung für die Leiterinnen. Die Wasserfläche werde von der Enni zur Verfügung gestellt.

Jedes Kind sollte Schwimmen können
Eines der Kinder, die bis zum Ende der Ferien von Montag bis Freitag eine Schwimmstunde haben, ist die zehnjährige Cathy. Auch wenn sie weiß, dass jedes Kind schwimmen können sollte, hätte sie sich nicht freiwillig für den Kursus gemeldet, erzählt sie. Doch jetzt sei sie froh dabei zu sein und habe viel Spaß. Schon heute, am zweiten Kurstag, sei es ihr gelungen, das Lehrschwimmbecken zu durchschwimmen.

Entspannte Atmosphäre in der kleinen Gruppe
Von überraschend viel Spaß und schnellen Erfolgserlebnissen weiß auch Monika Huf zu berichten. „Ein wenig Druck muss dabei auch sein, damit die Kinder die Angst überwinden“, weiß sie. Aber es brauche eben auch viel Geduld und Einfühlungsvermögen. Auch Kinder, die nie zuvor im Schwimmbad waren, würden nach dem ersten Tag bereits begeistert fragen, ob sie auch am Wochenende kommen dürften oder ob sie sich im Verein anmelden könnten. Dass alle so schnell Vertrauen fassen, liegt auch an der entspannten Atmosphäre in der kleinen Gruppe, in der man auf jedes einzelne Kind gut eingehen könne. Die Freude der Kinder und die Dankbarkeit der Eltern sei die Mühe auf jeden Fall wert, so Huf.

Ulrike Rauhut/ Rheinische Post/LSB-Redaktion
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Foto: Andrea Bowinkelmann

 

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